Heldinnen-Geschichte von G. “die Trauer übernahm mein Leben”

Ich habe keine Scheu, mich zu zeigen und von mir zu erzählen und wenn ich dir damit helfen kann, um so besser. Deine Arbeit berührt mich sehr und ich bewundere den Elan, mit dem du so viele wichtige und auch schöne Dinge in deinem Leben tust. Und man merkt dir total an, dass du in deiner Mitte stehst und dem Leben vertraust. Danach sehne ich mich total.

Doch seit meinem Burn out vor 10 Jahren habe ich nie wieder so richtig die Kurve gekriegt und bin total unglücklich darüber. 

Ich war mal eine sehr starke Frau, die alles gerockt hat, was das Leben so an mich heran getragen hat. Ich habe 3 Kinder in sehr kurzem Abstand zur Welt gebracht und war, weil ich alles super gut machen wollte 6 Jahre Mutter und Hausfrau. Mein Mann war Krankenpfleger und hat in 3 Schichten gearbeitet und war eigentlich nie da. Nach den 6 Jahren Kindererziehungszeit war ich eigentlich das erste Mal reif für die Insel. Doch habe mich sofort wieder ins Berufsleben gestürzt, denn das war in der ehemaligen DDR so üblich.

Ich bin medizinisch-technische-Laborassistentin gewesen. Eigentlich wollte ich Medizin studieren, aber dieser Weg wurde mir in der DDR verwehrt, da mein Vater evg. Pfarrer war und meine Familie somit nicht regimetreu war. Aber das nur am Rande.

Ich habe 1989 also wieder angefangen zu Arbeiten und auch in drei Schichten im Krankenhaus. Habe also meine Kinder früh im Kindergarten abgegeben und später zur Schule gebracht und bin zur Arbeit gegangen.

Wenn ich Nachtschicht hatte, hatte mein Mann Tagdienst und hat die Bringe Wege erledigt.

Früher war ich total kreativ. Schon als Kind hab ich total viel gemahlen bzw. gebastelt.

Für meine Kreativität war natürlich in dieser schweren Belastungsphase durch Beruf und Kindererziehung keine Zeit.

Ich war total erleichtert, als meine 3 Kinder so einigermaßen durch die Schulzeit durch waren.

Mein jüngster Sohn hatte eine Lese-Rechtschreibschwäche, was mir zusätzlich unheimlich viel Energie und Sorge abgefordert hat. (Heute arbeitet er als Elektroingenieur in der Autobranche und entwickelt Batterien für Elektroautos. 😀)

Nachdem die Kinder in Ausbildung und Studium waren, habe ich sehr engagiert viel mehr gearbeitet und Verantwortung übernommen. Ich sollte ein Quälitätsmanagement für mein Labor umsetzen. Leider wurde ich bei dieser Aufgabe an allen Fronten allein gelassen und bin letztendlich daran zerbrochen, dass ich diese Problematik nicht lösen konnte.

Es kam zu Suizidvorstellungen und totaler Erschöpfung bei mir. Seit mehreren Jahren war mein Schlaf-Wachrythmus zerstört durch die ständigen Nachtschichten. 

Es gab einen völligen Zusammenbruch und eine lange Zeit der totalen Lethargie.

Nach einem halben Jahr musste ich zur Reha, weil man mich beruflich wiedereingliedern wollte. Das ist nicht gelungen und nach einem längeren Aufenthalt in der Psychiatrie stellte ich einen Rentenantrag. Ich trennte mich von meinem Mann, mit dem ich nie glücklich war.

Ich bin solange bei meiner Familie geblieben, bis die Kinder alle soweit erwachsen waren, dass ich ihnen die Trennung zumuten konnte.

Ich bin mit nichts als einem Bettgestell, meinen Klamotten und 1000 EUR, das war mein Übergangsgeld von der Reha, von zu Hause ausgezogen. Ich hatte meinem Mann gegenüber so ein schlechtes Gewissen, dass ich ihn verlassen hab, dass ich ihm nichts von unserer gemeinsamen Einrichtung wegnehmen konnte. Ich habe mich 4 Jahre mit meinem schlechten Gewissen ihm und den Kindern gegenüber rumgeplagt. Meine erste Psychotherapie konnte daran auch nichts ändern.

Nach vier Jahren lernte ich einen anderen Mann kennen und wir führten eine 3 1/2 jährige Fernbeziehung. Ich genoss die Liebe und Zuwendung, die ich bekam und gab unverhältnismäßig viel zurück. Es gab viele Schwierigkeiten in dieser Zeit, also On/Off s, die mich jedes Mal viel Kraft gekostet haben. Aber ich wollte an die Liebe glauben. Dieser Mann ist ganz plötzlich und ohne Vorwarnung einen Tag, bevor wir gemeinsam in einen Kurzurlaub fahren wollten, verstorben. 

Das war ein Schicksalsschlag, der mich erneut aus der Bahn geworfen hat. Dazu kam, dass mein Chef (ich hatte einen Minijob in einer Physiotherapie) eine längere Zeit der Krankschreibung nicht akzeptieren wollte und mir eine Woche nach dem Tod meines Partners die Kündigung aussprach.

Jetzt kommt die finsterste Zeit in meinem Leben. Nach einem Suizidversuch landete ich wieder in der Psychiatrie und seit dem habe ich den Bezug zum Leben, zu meinem Leben verloren. Das ganze ist jetzt zwei Jahre her.

Und ich schaffe es nicht, wieder in Tritt zu kommen. 

Durch Zufall habe ich deine Angebote bei Pinterest gefunden und deine Arbeit hat mich total angesprochen und ich dachte: da würde ich gern mal hinfahren um meine Kreativität wiederzufinden. Und um über Glück zu sprechen und Anregungen zu bekommen. Ich brauchte so dringend wieder einen Strohhalm Glück in meinem Leben, dass ich Erkundigungen im Internet einholte, wie ich denn zu deinem Atelier kommen könnte (ich bin ohne Auto)

Ein fünftägiger Urlaub an der Ostsee, gab mir etwas Abstand zu meiner Misere und als ich nach Hause kam, fand ich in meinen E-Mails deinen Newsletter und den Hinweis, dass am WE noch ein Platz bei deinem Workshop “Kraftbaum malen” frei sei. Ganz automatisch und ohne zu überlegen schrieb ich dir, einer fremden Frau, und fragte, ob der Platz noch zu haben sei, ich würde gerne kommen.

Eine Stunde später war ich total erschrocken darüber, was ich da gemacht hab. Ich wollte alleine nach München fahren in ein Atelier und mit fremden Frauen zusammentreffen und reden und malen. Was hatte ich da nur losgetreten. Habe auch überlegt, wie ich das ganze wieder rückgängig machen könnte.

Doch dann kam eine ganz liebevolle Mail, dass der Platz noch zu haben wäre und das du dich auf mich freuen würdest. Da traute ich mich nicht mehr, jetzt so unhöflich zu sein und abzusagen. Ich plante meine Anreise mit der Bahn und merkte dabei, dass auch noch eine Übernachtung notwendig war, weil es sonst zeitlich nicht zu realisieren war, an dem Workshop teilzunehmen. Jetzt traute ich mich, dich anzurufen und zu fragen, ob du mir bei der Übernachtungssuche helfen würdest. Du warst schon wieder so unfassbar nett und hilfsbereit, daß ich langsam daran glaubte, bei dir richtig zu sein. 

Also fuhr ich vier Tage nach meinem Ostseeurlaub von Erfurt nach München in mein großes Abenteuer. 

Und es hat sich total gelohnt. Der Workshop war genau mein Ding. Deine offene Art mit uns Frauen umzugehen und uns wahrzunehmen und dich total auf uns einzulassen hat mich tief beeindruckt. Die gestalterische Arbeit wurde durch deine Begleitung plötzlich ganz einfach.

Ich hatte schon Angst vor diesem großen, leeren Blatt. Aber du hast es uns total leicht gemacht, unsere Energie fließen zu lassen und in Kreativität zu verwandeln.

Ich habe mich total wohl gefühlt bei dir in deinem Atelier.

Ich bin mit einem großen Bild im Gepäck und natürlich mit Verspätung der Bahn um Mitternacht zu Hause gewesen. Konnte es aber nicht lassen, mein Kunstwerk sofort aufzuhängen. Jetzt sehe ich es jeden Tag an und erinnere mich dabei an dich und das was du ausstrahlst. Das möchte ich auch. So eine Zuversicht und Lebensfreude. 

Ich habe seit dem schon mehrmals zu Hause meine Malsachen ausgepackt und mich allein auf die Suche nach meiner Kreativität gemacht.

Ich habe anderen mit Begeisterung von meinem Abenteuer und der Begegnung mit dir erzählt. Und in meinem Kopf reift ein Ziel heran.

Ich möchte mein Wohnzimmer umgestalten und mir einen Kreativplatz einrichten, was gar nicht so einfach ist, da ich nicht sehr großzügig wohne und da mir eigentlich der Elan und der innere Antrieb fehlt, in meinem Leben was zu verändern. Doch diese Idee lässt mich nicht los und ich möchte sie wirklich umsetzen.

Das klingt jetzt vielleicht nicht allzu großartig, doch für mich wäre es eine riesige Veränderung in meinem als so trostlos empfundenen Leben.

Und wer weiß, was daraus noch alles erwächst.

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