Heldinnengeschichte der L: „Und endlich wusste ich, ich muss wegziehen…“

Ich finde es aber gar nicht so leicht „meine
Geschichte“ in Worte zu fassen… Da sind so viele Inspirationen, Momente, Begegnungen, Erfahrungen, die mit Dir, Anja, Schulfach Glück und Stephan, zusammen hängen. Ich denke noch heute sehr gerne an die Wochenenden mit dir und Stephan zurück und für
mich ist es ein wahnsinniger Schatz, dass ihr mir so viele Türen zu mir selbst geöffnet habt. Durchgehen musste ich alleine und es war nicht immer angenehm, manchmal auch mit Ängsten verbunden. Und irgendwie auch
ein bisschen mit der Befürchtung, dass ich einiges ändern werden müsste, wenn ich die Erkenntnisse in meinen inneren Räumen annehme. Nach über 8 Jahren Leben in Berlin habe ich einerseits schon länger gespürt,
dass etwas nicht mehr stimmig ist, andererseits habe ich hier so viele Freundschaften aufgebaut, Orte lieb gewonnen und das Gefühl von Zuhause-sein
entwickelt, dass es lange gedauert hat, bis ich den Mut gefasst habe, in eine kleinere Stadt zu ziehen. Täglich so vielen Menschen auf den Straßen zu begegnen,
die ganz in sich verschlossen wirken und gleichzeitig so viele Stimmungen wahr zu nehmen, war für mich in Berlin ein dauerhafter Stressfaktor. Denn egal, ob ich zur Uni gefahren bin oder nur kurz einkaufen gegangen bin – jeden Tag gab es diese Begegnungen – ohne sich wirklich zu begegnen. Mich macht besonders, dass ich sehr stark mit den Menschen in
meiner Umgebung mitfühle, ich kann emotionale Stimmungen intensiv wahrnehmen.
In vielen Situationen ist das für mich eine Stärke, in manchen Umgebungen ist es für mich
aber auch wichtig, mich zu schützen. Die Überreizung im Berliner Alltag hat mir nicht gut
getan und mir permanent ein kleines Stück von meiner Energie abgezwackt. Schritt für Schritt
hat sich in meinem Kopf die Entscheidung gebildet, dass ich in eine kleinere Stadt ziehen will.
Und auch wenn diese Entscheidung mit viel Abschiedsschmerz zu den lieben Menschen, die
mich in Berlin begleitet haben, verbunden war, wurde sie getragen von diesem unheimlich tollen Gefühl, eine Entscheidung ganz und gar FÜR MICH zu treffen. Dass diese Entscheidung ganz auf meine Bedürfnisse passt. Dass ich die Gewissheit hatte, dass es nicht einfach sein wird, so eine große Veränderung anzugehen, aber dass es auf längere Sicht genau richtig für mich ist.
Und so bin ich letztes Jahr von Berlin nach Freiburg gezogen. Ich habe in Windeseile eine bezahlbare,
schöne Wohnung gefunden – und das in einer Stadt, in der totaler Wohnungsmangel herrscht. Ich konnte meinen Job aus Berlin weiter machen und mich so finanzieren. Für mich hat mir das alles gezeigt, dass es genau richtig war – nachdem ich meine Entscheidung getroffen hatte, war alles ganz leicht.
Was ich selbst erfahren habe, nennt Eckhart von Hirschhausen das Pinguin-Prinzip: An Land watscheln
Pinguine mit ihren kurzen Beinen unbeholfen herum und kommen nur langsam voran. Sie haben zwar
Flügel, aber können nicht fliegen. Aber sobald ein Pinguin ins Wasser springt und anfängt zu schwimmen,
ist er wie verwandelt. Voller Freude, Geschicklichkeit und Leichtigkeit schlängelt er sich durch SEIN ELEMENT.
Ein Pinguin kann mit der Energie aus 1 Liter Benzin 2000km weit schwimmen – das ist schneller, als alles
was Menschen jemals erfunden haben.
Ich kann nur jede und jeden bestärken, den Mut zu sammeln, sich selbst besser kennen zu lernen. Sein Element,
seine optimale Umgebung herauszufinden. Wer sich selbst und seine Bedürfnisse kennt, kann die Verantwortung
für das eigene Leben immer mehr ergreifen und Entscheidungen treffen, die wirklich zum eigenen Ich passen.
Auch wenn es nicht immer ein leichter Weg dahin ist, es lohnt sich. Und viele, viele Dinge ergeben sich anschließend
wie von selbst.